Was OpenAI und Anthropic mit deinen Daten machen?
7. August 2026 · 8 Min. Lesezeit · Von Raffaele De Giovanni
Mit Unterstützung von ChatGPT GPT-5.6 Sol erstellt und redaktionell geprüft.

Beim Datenschutz rund um ChatGPT und Claude begegnet uns viel Halbwissen. Werden alle Gespräche fürs Training verwendet? Wird in bezahlten Plänen nichts mehr gespeichert? Können Mitarbeitende der Anbieter die Chats lesen? Und liegen die Daten in Europa oder in den USA? Oft werden einzelne Antworten zu einem pauschalen Urteil über den ganzen Anbieter.
Tatsächlich hängen die Regeln vom konkreten Produkt, Tarif und den gewählten Einstellungen ab. Besonders wichtig ist die Trennung zwischen persönlichen Konten und Firmenangeboten. Ein bezahltes ChatGPT-Plus- oder Claude-Pro-Abo bleibt ein persönlicher Zugang und wird nicht automatisch zum Business-Tarif.
Was kann mit einem Chat passieren?
Ein Chat kann vom Modelltraining ausgeschlossen sein und trotzdem auf einem Server gespeichert werden. Er kann nach dreissig Tagen gelöscht werden und vorher für Sicherheitsprüfungen zugänglich sein. Er kann in Europa gespeichert werden, während einzelne Metadaten oder verbundene Dienste ausserhalb Europas verarbeitet werden.
Das ist kein versteckter Trick der Anbieter. Es sind schlicht unterschiedliche Vorgänge, die in Diskussionen oft zu einem einzigen Wort zusammengezogen werden: Datenschutz.
OpenAI
Bei einem persönlichen ChatGPT-Konto mit Free, Plus oder Pro ist die Freigabe zur Modellverbesserung nach Angaben von OpenAI standardmässig aktiviert. Sie lässt sich unter «Data Controls» mit der Einstellung «Improve the model for everyone» ausschalten. Die Änderung gilt für neue Gespräche; bereits abgeschlossene Trainingsläufe lassen sich dadurch naturgemäss nicht zurückdrehen.
Wer das Training ausschaltet, löscht damit seine Chats nicht. Normale Gespräche bleiben im Konto, bis sie aktiv gelöscht werden. Danach plant OpenAI ihre endgültige Entfernung innerhalb von dreissig Tagen ein, sofern keine Sicherheits- oder Rechtspflichten eine längere Aufbewahrung verlangen. «Temporary Chat» ist die vorsichtigere Variante für einzelne Gespräche: Diese Chats werden nicht fürs Training verwendet, erscheinen nicht im Verlauf und werden innerhalb von dreissig Tagen gelöscht. Für Missbrauchskontrollen können sie während dieser Zeit dennoch geprüft werden.
Für persönliche Konten schreibt OpenAI zudem, dass Inhalte auf Systemen in den USA und weiteren Ländern gespeichert werden können. Eine begrenzte Zahl autorisierter Mitarbeitender und Dienstleister darf bei Sicherheitsvorfällen, Supportfällen, rechtlichen Fragen oder – wenn das Training nicht deaktiviert wurde – zur Modellverbesserung auf Inhalte zugreifen.
ChatGPT Business
ChatGPT Business ist ein eigener Firmen-Workspace. OpenAI verwendet dessen Eingaben und Ausgaben standardmässig nicht zum Modelltraining. Die Daten werden bei der Übertragung und Speicherung verschlüsselt. Mitglieder sehen die Chats ihrer Kolleginnen und Kollegen nicht automatisch; jede Person besitzt ihren eigenen Verlauf und entscheidet, was sie teilt.
Gegenüber einem persönlichen Plus- oder Pro-Konto ändert sich damit vor allem die vertragliche und organisatorische Einordnung. Es bedeutet aber nicht, dass nichts gespeichert wird. Auch im Business-Workspace bleiben Gespräche für die weitere Nutzung erhalten, bis sie gelöscht werden. Ein selbst bedientes ChatGPT-Business-Abo enthält zudem nicht automatisch alle Möglichkeiten eines ausgehandelten Enterprise-Vertrags. Zero Data Retention und andere vertragliche Sonderoptionen ordnet OpenAI den Sales-Angeboten zu.
Was Enterprise zusätzlich bringt
ChatGPT Enterprise ergänzt zentrale Benutzerverwaltung, differenziertere Rollen, Compliance-Schnittstellen und konfigurierbare Aufbewahrung. Qualifizierte neue Enterprise-Workspaces können Kundeninhalte in Europa – ausdrücklich inklusive EWR und Schweiz – speichern. Für geeignete Konfigurationen kann auch die eigentliche Modellberechnung in der Region stattfinden.
Selbst dann bleibt «Europa» kein Versprechen, dass jedes technische Datum ausschliesslich dort verarbeitet wird. OpenAI nennt unter anderem Anmelde-, Abrechnungs- und Nutzungsmetadaten sowie externe Apps und Webdienste als mögliche Ausnahmen.
Anthropic
Anthropic trennt ebenfalls klar zwischen persönlichen Claude-Konten und kommerziellen Angeboten.
Bei Claude Free, Pro und Max können Nutzer in den Datenschutzeinstellungen bestimmen, ob ihre Chats und Coding-Sitzungen zur Verbesserung von Claude verwendet werden dürfen. Wird diese Einstellung ausgeschaltet, verwendet Anthropic neue Gespräche nicht für künftige allgemeine Modelltrainings. Sicherheitsklassifizierer bleiben eine Ausnahme: Markierte Gespräche können weiterhin zur Durchsetzung der Nutzungsregeln und zur Verbesserung interner Sicherheitssysteme ausgewertet werden.
Wer die Modellverbesserung erlaubt, muss einen zweiten Punkt beachten. Anthropic kann die dafür ausgewählten und von der Nutzeridentität getrennten Daten bis zu fünf Jahre in Trainingsprozessen aufbewahren. Das ist etwas anderes als der sichtbare Chatverlauf. Wird ein normaler Chat gelöscht, verschwindet er sofort aus der Oberfläche und soll innerhalb von dreissig Tagen aus den Backend-Systemen entfernt werden. Incognito-Chats werden nicht zur Modellverbesserung verwendet.
Auch Feedback ist ein eigener Datenweg. Wer einen Daumen hoch oder herunter sendet, kann damit die gesamte zugehörige Konversation übermitteln. Anthropic gibt für solche Feedback-Daten eine Aufbewahrung von bis zu fünf Jahren an. Der kleine Feedback-Knopf ist damit keine rein anonyme Bewertung eines einzelnen Satzes.
Claude Team und Enterprise
Bei Claude Team und Enterprise sowie den anderen kommerziellen Angeboten verwendet Anthropic Ein- und Ausgaben standardmässig nicht zum Modelltraining. Eine Ausnahme entsteht, wenn Nutzer ausdrücklich Feedback senden oder das Unternehmen einer Datennutzung zustimmt. Besitzer eines Team- oder Enterprise-Accounts können die Feedback-Funktion für die Organisation deaktivieren.
Normale Gespräche werden gespeichert, damit Nutzer sie fortsetzen können, und bleiben erhalten, bis sie gelöscht werden. Anthropic entfernt gelöschte Chats nach eigenen Angaben innerhalb von dreissig Tagen aus seinen Backend-Systemen. Enterprise-Kunden können eine feste Aufbewahrungsfrist konfigurieren; die kürzeste angebotene Frist beträgt dreissig Tage. Wichtig ist die Voreinstellung: Ohne eine solche Konfiguration werden die Daten laut Anthropic unbegrenzt aufbewahrt.
Team und Enterprise bringen zudem eine organisatorische Ebene mit. Primäre Eigentümer können Organisationsdaten exportieren, einschliesslich Konversationsdaten. Ein Firmenkonto schützt Gespräche damit vor dem allgemeinen Modelltraining; es macht sie aber nicht automatisch zu einem privaten Raum ausserhalb der Unternehmensaufsicht.
Für kommerzielle Kunden ist Anthropics Datenverarbeitungsvereinbarung mit Standardvertragsklauseln automatisch in die kommerziellen Nutzungsbedingungen eingebunden. Damit ist auch vertraglich klarer geregelt, in welcher Rolle Anthropic Daten im Auftrag einer Organisation verarbeitet.
Ein kurzer Hinweis zu den APIs
OpenAI und Anthropic bieten ihre Modelle zusätzlich über APIs an, damit Unternehmen eigene Anwendungen und Abläufe bauen können. Für beide APIs gilt standardmässig, dass Ein- und Ausgaben nicht fürs allgemeine Modelltraining verwendet werden. Speicherfristen, Sicherheitslogs, regionale Verarbeitung und Zero Data Retention hängen dort jedoch von Vertrag, Konfiguration und verwendeter Funktion ab. Das ist eine eigene Datenschutzfrage und nicht direkt mit der Nutzung von ChatGPT oder Claude im Browser vergleichbar.
Vergleich
ChatGPT Free, Plus und Pro
Training: standardmässig aktiviert, aber abschaltbar. Speicherung: bis zur Löschung; danach gewöhnlich bis zu dreissig Tage. Besondere Kontrolle: Temporary Chat und persönliche Einstellungen.
ChatGPT Business
Training: standardmässig nein. Speicherung: bis zur Löschung. Besondere Kontrolle: Firmen-Workspace und grundlegende Admin-Kontrollen.
ChatGPT Enterprise
Training: standardmässig nein. Speicherung: durch die Organisation steuerbar. Besondere Kontrolle: Compliance, feinere Rollen und qualifizierte europäische Datenresidenz.
Claude Free, Pro und Max
Training: durch Nutzer steuerbar, mit Safety-Ausnahmen. Speicherung: bis zur Löschung; Trainingsdaten bei Zustimmung bis zu fünf Jahre. Besondere Kontrolle: Incognito und persönliche Einstellungen.
Claude Team
Training: standardmässig nein. Speicherung: bis zur Löschung. Besondere Kontrolle: Organisationsverwaltung und Datenexport.
Claude Enterprise
Training: standardmässig nein. Speicherung: ohne Konfiguration unbegrenzt; mindestens dreissig Tage konfigurierbar. Besondere Kontrolle: Retention, Audit und weitere Admin-Kontrollen.
Für europäische Datenresidenz hat OpenAI bei qualifizierten Enterprise-Angeboten derzeit die klarer dokumentierte Option. Anthropic beschreibt für kommerzielle Angebote eine Speicherung in den USA. Bei persönlichen Konten bieten beide Anbieter eine Kontrolle über das Modelltraining, behandeln Einstellungen, Feedback und temporäre Gespräche aber unterschiedlich.
Wo werden die Daten gespeichert?
Bei persönlichen ChatGPT-Konten können Inhalte laut OpenAI in den USA und weiteren Ländern gespeichert und verarbeitet werden. ChatGPT Business schliesst das Modelltraining standardmässig aus, wird in den aktuellen Unterlagen aber nicht als Angebot mit frei wählbarer europäischer Datenresidenz aufgeführt.
Für qualifizierte neue ChatGPT-Enterprise-Workspaces kann OpenAI Kundeninhalte in Europa speichern; die Region umfasst den EWR und die Schweiz. In geeigneten Konfigurationen kann auch die Modellberechnung dort stattfinden. Bestimmte Metadaten, technische Verarbeitungsschritte und externe Dienste können trotzdem ausserhalb der gewählten Region liegen.
Anthropic schreibt für seine kommerziellen Produkte, dass Daten standardmässig in den USA gespeichert werden. Je nach Produkt und Vereinbarung lässt sich der Datenverkehr regional routen. Das ändert jedoch nicht automatisch den Speicherort. Routing beschreibt den Weg einer Anfrage, Datenresidenz den Ort, an dem Inhalte gespeichert bleiben.
Damit ist der Speicherort keine einfache Eigenschaft des Anbieters. Bei OpenAI hängt er stark vom Plan und der vereinbarten Konfiguration ab. Bei Anthropic ist die Speicherung in den USA derzeit die klar dokumentierte Voreinstellung für kommerzielle Produkte.
Die Unterschiede liegen im Detail: OpenAI aktiviert die Modellverbesserung bei persönlichen Free-, Plus- und Pro-Konten standardmässig, während Anthropic sie als steuerbare Zustimmung beschreibt. Anthropic nennt bei erlaubter Modellverbesserung eine mögliche Aufbewahrung von fünf Jahren. OpenAI bietet qualifizierten Enterprise-Kunden europäische Datenresidenz, während Anthropic für kommerzielle Produkte derzeit eine Speicherung in den USA ausweist.
Das ist weder ein Grund zur Sorglosigkeit noch ein Grund, beide Dienste pauschal auszuschliessen. Vor allem zeigt es, dass «OpenAI» und «Anthropic» als Datenschutzurteil zu ungenau sind. Erst der konkrete Plan macht sichtbar, welche Regeln tatsächlich gelten.
Datenschutz ist damit keine feste Eigenschaft eines Logos. Er setzt sich aus Produkt, Einstellungen, Vertrag, Speicherort und den genutzten Zusatzfunktionen zusammen. Sobald diese Teile getrennt betrachtet werden, verliert der Datenschutzdschungel einen guten Teil seines Schreckens.
Quellen
OpenAI
- Trainingseinstellungen: https://help.openai.com/en/articles/8983130-how-does-chatgpt-use-my-data
- Datennutzung und mögliche Zugriffe: https://help.openai.com/en/articles/7039943-data-usage-for-consumer-services-faq
- Speicher- und Löschfristen: https://help.openai.com/en/articles/8983778-chat-and-file-retention-policies-in-chatgpt
- Business-Datenschutz und Compliance: https://openai.com/business-data/
- Europäische Datenresidenz: https://help.openai.com/en/articles/9903489-eu-data-residency
Anthropic
- Trainingseinstellungen persönlicher Konten: https://privacy.claude.com/en/articles/12109829-how-do-i-change-my-model-improvement-privacy-settings
- Aufbewahrung persönlicher Daten: https://privacy.claude.com/en/articles/10023548-how-long-do-you-store-my-data
- Training kommerzieller Angebote: https://privacy.claude.com/en/articles/7996868-is-my-data-used-for-model-training
- Aufbewahrung kommerzieller Daten: https://privacy.claude.com/en/articles/7996866-how-long-do-you-store-my-organization-s-data
- Konfigurierbare Enterprise-Aufbewahrung: https://privacy.claude.com/en/articles/10440198-configure-custom-data-retention-controls-for-enterprise-plans
- Serverstandorte: https://privacy.claude.com/en/articles/7996890-where-are-your-servers-located-do-you-host-your-models-on-eu-servers
- DPA mit Standardvertragsklauseln: https://privacy.claude.com/de/articles/7996862-wie-kann-ich-ihre-datenschutz-zusatzvereinbarung-dpa-einsehen-und-unterzeichnen
Studie
- Bitkom: «Künstliche Intelligenz – Wie die Bevölkerung auf die neue Technologie blickt», Juni 2026: https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-06/bitkom-studienbericht-ki-bevoelkerung.pdf
Alle Anbieterangaben wurden am 4. August 2026 geprüft. Bedingungen und Produktfunktionen können sich ändern.