Der Prototyp funktioniert. Und jetzt?
· 8 Min. Lesezeit · Von Raffaele De Giovanni
Mit Unterstützung von ChatGPT GPT-5.6 Sol erstellt und redaktionell geprüft.
Wie aus einem mit Claude Code erstellten Entwurf ein produktives Offertenportal wurde, das Eyedentity heute selbstständig betreiben und weiterentwickeln kann.
Mit Claude Code lassen sich heute erstaunlich schnell funktionierende Anwendungen bauen. Eine Idee wird beschrieben, erste Varianten entstehen und nach einigen Iterationen sieht das Ergebnis bereits wie ein fertiges Produkt aus.
Doch eine fertige HTML-Seite ist noch kein verlässliches System. Spätestens wenn Inhalte regelmässig ausgetauscht, Funktionen ergänzt, Domains verbunden und neue Versionen veröffentlicht werden sollen, beginnt eine andere Art von Arbeit.
Genau an diesem Punkt kam Eyedentity zu uns.
Die Idee stand bereits
Eyedentity wollte für seine Kunden ein modernes Offertenportal entwickeln. Statt einer klassischen Offerte sollten Kunden eine übersichtliche und interaktive Projektseite erhalten. Darauf finden sie alle wichtigen Informationen, können Leistungen und Pakete ansehen, Dateien öffnen, die beteiligten Personen kennenlernen und ein Angebot direkt buchen.
Als wir dazukamen, war diese Idee bereits weit entwickelt. Eyedentity hatte intern entschieden, welche Informationen dargestellt werden sollten, wie die einzelnen Bereiche aufgebaut sind und wie sich Kunden durch die Offerte bewegen.
Auch einen funktionierenden Prototyp gab es schon. Dieser war mithilfe von Claude Code als HTML-Seite entstanden. Das Team hatte das Design über den Chat entwickelt, Varianten ausprobiert und die Inhalte angepasst, bis die grundlegende Richtung stimmte.
Das war für uns eine sehr gute Ausgangslage. Ein Teil, der bei klassischen Softwareprojekten viel Zeit beansprucht, war bereits erledigt. Wir mussten nicht erst in Workshops herausfinden, was Eyedentity bauen möchte. Das Team konnte uns einen konkreten Entwurf zeigen und erklären, was funktioniert und was noch fehlt.
KI hatte hier nicht nur die Entwicklung beschleunigt. Sie hatte dem Kunden ermöglicht, seine Idee intern so weit auszuarbeiten, dass wir auf einer klaren Grundlage starten konnten.
Eine fertige HTML-Seite ist noch kein fertiges Produkt
Der Prototyp sah überzeugend aus und funktionierte grundsätzlich. Für jede neue Offerte wurde die bestehende HTML-Datei jedoch erneut als Ausgangspunkt verwendet. Claude Code ersetzte Inhalte, baute Informationen ein und passte einzelne Bereiche an.
Dabei wurde ein grosser Teil der Seite immer wieder bearbeitet oder neu generiert. Das verbrauchte unnötig Rechenkontingent und führte nicht immer zu konsistenten Ergebnissen. Eine Änderung konnte an einer Stelle gut aussehen und an einer anderen neue Probleme verursachen. Auch die Darstellung auf verschiedenen Bildschirmgrössen war nicht zuverlässig.
Spätestens beim Veröffentlichen wurde es kompliziert. Eyedentity musste sich mit Hosting, Deployments, Subdomains und DNS-Konfigurationen beschäftigen. Teilweise wurden neue Verbindungen zu Netlify aufgebaut, Veröffentlichungen funktionierten nicht wie erwartet oder Seiten mussten erneut generiert werden.
Dabei war oft nicht klar, welches System für welchen Schritt verantwortlich war. Liegt das Problem beim Code, beim Hosting oder bei der Domain? Warum ist die neue Version nicht online? Welche URL muss verwendet werden?
In solchen Situationen ist es naheliegend, Claude Code einfach zu sagen: «Mach es irgendwie.» Meistens findet der Agent tatsächlich einen Weg. Am Ende steht dann aber schnell ein System, das zwar teilweise funktioniert, dessen Aufbau man selbst nicht versteht. Beim nächsten Problem beginnt die Fehlersuche wieder von vorne.
Das liegt nicht daran, dass Claude Code grundsätzlich keine Buchungsfunktion einbauen oder eine Seite veröffentlichen könnte. Es fehlt die Erfahrung, um beurteilen zu können, welcher der vorgeschlagenen Wege langfristig sinnvoll ist. Wer sich dieses Wissen erst aneignen muss, verbringt schnell mehr Zeit mit der technischen Umgebung als mit dem eigentlichen Projekt.
Den Prototyp weiterführen statt neu beginnen
Unsere Antwort war nicht, den bisherigen Ansatz zu verwerfen und alles neu zu konzipieren.
Wir nahmen die von Eyedentity erstellte HTML-Seite als Grundlage und überführten sie mit Claude Code in eine stabile Webanwendung. Wir strukturierten die wiederverwendbaren Bestandteile, optimierten die Darstellung für Mobilgeräte, prüften die Funktionen und integrierten unter anderem die direkte Buchung.
Der Prototyp war dabei wertvoll. Er enthielt bereits viele inhaltliche und gestalterische Entscheidungen, die sonst erst gemeinsam hätten erarbeitet werden müssen. Unsere Aufgabe bestand darin, aus diesem Entwurf eine verlässliche technische Grundlage zu machen.
Zusätzlich richteten wir eine Versionsverwaltung, einen klaren Veröffentlichungsprozess und eine passende Domainstrategie ein. Diese Schritte müssen nicht für jede Offerte neu gelöst werden. Die Infrastruktur läuft nach der einmaligen Einrichtung weitgehend ohne Aufmerksamkeit.
FINDIda ist bei technischen Fragen der Ansprechpartner, weil OPTIM AI in diesem Projekt vor allem beratend und konzeptionell tätig ist. Im laufenden Betrieb entsteht dadurch aber kaum Aufwand. Realistisch sind ungefähr ein bis zwei Stunden pro Jahr. Auch die Hosting-Kosten bleiben auf dem Niveau einer schlanken Website.
Der Wert liegt also nicht in einer dauerhaften technischen Betreuung. Er liegt darin, die Grundlage einmal richtig aufzubauen, damit sie danach zuverlässig funktioniert.
Inhalte per Gespräch statt per HTML-Datei
Ein wichtiger Schritt war die Trennung der Inhalte vom technischen Aufbau. Kundendaten, Projektinformationen, Pakete, Leistungen, Dateien und beteiligte Personen werden nun strukturiert in Sanity gespeichert.
Das Design und die Funktionen bleiben dadurch bestehen, während für eine neue Offerte nur die konkreten Inhalte ausgetauscht werden. Eyedentity könnte diese Informationen über die klassische Benutzeroberfläche des CMS bearbeiten. Unser eigentliches Ziel ging jedoch weiter.
Wir haben für Claude Code eigene Skills und klare Arbeitsabläufe erstellt. Der Agent weiss, welche Angaben eine Offerte benötigt und wie sie strukturiert sein müssen. Fehlen Informationen, stellt er gezielte Rückfragen. Anschliessend erstellt er die Inhalte und trägt sie direkt in Sanity ein.
Eyedentity kann dem Agenten beispielsweise mitteilen, für welchen Kunden eine Offerte erstellt werden soll, welche Pakete zur Auswahl stehen und wer am Projekt beteiligt ist. Der Agent führt durch die fehlenden Angaben und befüllt das bestehende System.
So wird aus einem Gespräch ein konsistent aufgebautes Offertenportal. Die KI muss nicht bei jedem Auftrag das Design, den Code und die technische Struktur neu reproduzieren. Sie arbeitet innerhalb eines vorbereiteten Rahmens und bearbeitet genau die Informationen, die sich verändern.
Nicht nur mit KI gebaut, sondern für KI vorbereitet
Dass wir bei der Umsetzung ebenfalls Claude Code eingesetzt haben, half uns, schneller und kostengünstiger zu arbeiten. Das ist aber nicht der wichtigste Punkt des Projekts.
Entscheidend ist, dass die fertige Lösung weiterhin mit KI bedient und weiterentwickelt werden kann. Der Agent ist nicht nur ein Werkzeug aus der Entwicklungsphase. Er bleibt Teil des Arbeitsablaufs.
Auf der einen Seite kann Claude Code Inhalte über das CMS bearbeiten. Auf der anderen Seite kann Eyedentity damit auch visuelle oder funktionale Änderungen an der Anwendung vornehmen. Das Team kann neue Felder ergänzen, Informationen anders darstellen oder kleinere Funktionen einbauen, die Änderungen lokal prüfen und anschliessend über den vorbereiteten Prozess veröffentlichen.
Damit rücken Anwendung, Inhaltsverwaltung und KI-Agent zusammen. Der Nutzer muss nicht im Detail wissen, wo eine Information gespeichert wird oder wie daraus eine neue Seite entsteht. Er beschreibt, was er benötigt. Der Agent verbindet diese Absicht mit den richtigen Werkzeugen.
Selbstständig bedeutet nicht allein
Ein sauber eingerichtetes Projekt erweitert die Möglichkeiten des Kunden deutlich. Es hebt technische Grenzen aber nicht vollständig auf.
Kleine und mittlere Anpassungen kann Eyedentity in den meisten Fällen selbstständig mit Claude Code umsetzen. Wird eine Anforderung deutlich komplexer, kann weiterhin ein Know-how-Gap entstehen. Dann braucht es jemanden, der beurteilen kann, ob ein Ansatz technisch sinnvoll ist und welche Folgen eine Änderung für das restliche System hat.
Diese Unterstützung muss nicht immer ein Entwicklungsprojekt sein. Manchmal reicht eine zweite Meinung und der Kunde kann danach selbst weitermachen. In anderen Fällen ist eine vollständige Umsetzung sinnvoller. Beim Offertenportal war sie notwendig, weil aus einzelnen HTML-Seiten ein wiederverwendbares System mit Inhaltsverwaltung, Veröffentlichung und Domainstrategie entstehen sollte.
KI ermöglicht Menschen ohne klassischen Entwicklungshintergrund, eigene Ideen sehr weit auszuarbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass jeder alles selbst entwickeln und betreiben muss. Einige Unternehmen möchten eine Komplettlösung. Andere arbeiten bis zu einem bestimmten Punkt selbstständig und holen sich nur bei Unsicherheiten Unterstützung.
Interessant ist gerade diese hybride Zusammenarbeit. Der Kunde übernimmt die Bereiche, in denen er bereits sicher und produktiv arbeiten kann. Externes Know-how kommt dort hinzu, wo fehlende Erfahrung den Prozess bremst oder unnötige Risiken schafft.
Das Ziel ist nicht maximale Eigenleistung. Das Ziel ist eine sinnvolle Verteilung der Arbeit.
Von eineinhalb Tagen auf einen halben Tag
Vor dem neuen Aufbau dauerte die Erstellung einer Offerte ungefähr einen bis eineinhalb Arbeitstage. Ein grosser Teil dieser Zeit floss in wiederholte Anpassungen, Neugenerierungen und die Veröffentlichung.
Heute benötigt Eyedentity ungefähr einen halben Tag. Jede Offerte basiert auf derselben geprüften Grundlage, funktioniert auf unterschiedlichen Geräten und kann zuverlässig unter der passenden Domain veröffentlicht werden.
Das Team kann nicht nur Inhalte austauschen, sondern das Portal auch technisch selbstständig weiterentwickeln. Erst wenn eine Anforderung tatsächlich komplex wird, kommt bei Bedarf wieder externes Know-how hinzu.
Der Case zeigt damit auch, wie sich Softwareprojekte durch KI verändern. Kunden können selbst experimentieren, Varianten bauen und herausfinden, was sie wirklich benötigen. Technische Fachpersonen steigen später und gezielter ein. Ihre Aufgabe besteht weniger darin, dem Kunden alles abzunehmen. Sie schaffen eine verlässliche Grundlage und bringen ihr Wissen dort ein, wo es den entscheidenden Unterschied macht.
Die spannendste Entwicklung ist deshalb nicht, dass die Lösung mit KI gebaut wurde. Spannender ist, dass Anwendung, CMS und KI-Agent so zusammenspielen, dass Eyedentity danach selbstständig weiterarbeiten kann.
Wir haben aus einem KI-generierten Prototyp ein produktionsreifes Werkzeug gemacht, ohne dem Kunden die gewonnene Selbstständigkeit wieder wegzunehmen.